

|
Gilmore Girls 6.02 Write It On A Banner / Schritt für Schritt Bisher bei den Gilmore Girls… Rory starrte Clark erstaunt an. So merkwürdig seine Worte auch waren… er hatte Recht! Logans Vater hatte ihr ans Bein gepinkelt, aber nur, weil er sie davon abhalten… was zu tun? Größer zu werden als er? Oder Logan zu heiraten? Langsam ergab alles einen Sinn, denn ihre Mutter hatte ihr gut zu geredet und hätte sie auf sie gehört, hätte sie sich bestimmt auf irgendeine Art entfalten können. Rory lächelte abwesend: „Vielleicht weißt du ja doch was.“ „Weil das unser Haus ist.“, Luke registrierte erfreut das Funkeln in Lorelais Augen, als sie antwortete: „Dann können wir ja in unseren Garten heiraten.“ Und dann küssten sie sich zum ersten Mal als verlobtes Paar… If you're out on the road, feeling lonely, and so cold. All you have to do is call my name And I'll be there on the next train. Where you lead, I will follow anywhere that you tell me to If you need, you need me to be with you, I will follow where you lead „Ja, es war alles ein riesengroßes, ganz, ganz großes Missverständnis. Ich dachte, mein Vater würde… sterben und darum habe ich mich für das nächste Jahr abgemeldet. Aber stellen Sie sich vor, er lebt! Er hatte nur einen Husten. Alles, alles wird gut.“, stammelte Rory in den Hörer. Sie war noch nie gut im Lügen gewesen. Eine Weile lauschte sie, dann erwiderte sie: „Ja, sicher bin ich nächstes Jahr wieder. Mein Journalistik-Studium geht weiter und das Geld ist auch schon überwiesen. Ich danke Ihnen vielmals. Vielleicht sehen wir uns ja, wenn ich nächstes Jahr wieder am Campus bin! Ja. Danke. Wiedersehen.“ Erleichtert legte Rory auf. Das mit dem Studium war geritzt. Sie war in Yale willkommen. Wenn die jedoch gewusst hätten, wie tief das Loch gewesen war, in das sie gefallen war, und dass sie jetzt außerdem im System der Polizei erfasst war, hätten die sie bestimmt nicht mehr mit Kusshand empfangen. Rory seufzte. Das hatte sie gut vertuscht. Wenn sie etwas von ihrer Mutter geerbt hatte, dann die flinke Zunge und das Talent zum Schwindeln. Doch ihr kurzes Glück verflog schnell wieder. Ihr Studium war gerettet, doch etwas steckte immer noch im Schlammassel fest: Ihre Beziehung zum Gesetz, ihre Beziehung zu ihrer Mutter und ihre Beziehung zu Logan. Die ersten beiden Sachen konnte sie womöglich kitten. Aber die letzte Sache? Ein kalter Luftzug strich über Lorelais Gesicht und kitzelte sie wach. Über ihre nackte Schulter lag Lukes Arm. Blinzelnd befreite sie sich von ihrem Freund. Von ihrem Verlobten. Sie stand auf, eingewickelt in ihre Bettdecke, und sah sich um. Das war also das Schlafzimmer im Twickham-Haus. Und somit ihr neues Schlafzimmer. Kuschelig. Anscheinend hatte sie das auch letzte Nacht gedacht, denn sie fand ihr Kleid auf dem Boden in der Nähe der offenen Tür. Diese Situation kam ihr bekannt vor. Doch anstatt alarmiert zu kucken, blickte sie verklärt und glücklich um sich. Was auch immer es bedeutete, sie war glücklich, dass ihr Kleid dort neben Lukes Flanellhemd lag. Rorys silbernes Cabrio rollte langsam über die Hauptstraße. Es war früh, aber nicht zu früh. Den, den sie suchte, war bestimmt schon seit Sonnenaufgang wach. Sie schluckte. Mit zitternden Fingern brachte sie ihr Auto vor einem weißem, für Stars Hollow Verhältnisse hohem Haus zum Stehen. Auf dem Weg zu eben diesem Haus war sie an ihrem Elternhaus vorbei gekommen. Na ja, Mutterhaus. Der Jeep Lorelais hatte in der Ausfahrt geparkt, die Fenster waren nicht zugezogen. Hätte sie sicher gewusst, dass Lorelai da gewesen wäre, dass Lorelai wach gewesen wäre… Hätte das etwas geändert? Nein. Rory fühlte sich immer noch zu unbehaglich, um mit ihrer Mutter zu sprechen. Mit wackeligen Beinen verließ Rory ihren Wagen und ging in das Haus. Tatsächlich stand Taylor Doose an einer Theke im Empfangsraum, mit der frisch gedruckten Tagesausgabe des Stars Hollow Banners in der Hand. Rory hatte es so erwartet, denn seit Jahren war Taylor der erste, der ein Exemplar der Tageszeitung ausgehändigt bekam. „Also, Inga, diese Schlagzeile ist viel zu hetzerisch!“, beklagte er sich gerade bei einer Blondine, die an der Rezeption saß. „Sag das Jim, nicht mir.“, knurrte Inga. Taylor wollte sich über den barschen Ton der Sekretärin beschweren, doch dann überlegte er es sich anders. Lieber begrüßte er Rory: „Guten Morgen! Was suchst du so früh denn schon hier?“ „Mein Glück.“, Rory lächelte verkrampft, „Ich bin auf der Suche nach einem Ferienjob beim Stars Hollow Banner.“ „Inga, hast du das gehört? Die kleine Yale-Studentin will bei unserer popeligen Zeitung arbeiten. Du studierst doch noch in Yale, oder?“, plauderte Taylor munter drauf los. „Ja.“, Rory war froh, nicht schon wieder lügen zu müssen. „Perfekt. Inga, da findest du doch was für sie, nicht wahr?“, Taylor sah Inga an, als wäre das ganze mit Rory beim Stars Hollow Banner seine Idee und von langer Hand von ihm geplant worden. „Sicher. Wenn sie darauf steht, die Gebrauchtwagenanzeigen zu tippen.“, Inga lächelte Rory zwar an, sprach Taylor aber schief an. Anscheinend war die Chemie zwischen der Sekretärin und dem Supermarktbesitzer nicht so gut, wie dieser sie glaubte zu sein. „Oder das Tagesmenü bei Al’s, alles ist mir recht.“, beteuerte Rory. „Gut.“, meinte Inga sanft, „Dir steht bei uns eine große Karriere bevor als Mädchen für alles.“ Rory nickte: „Fein.“ Positiv. Als Lorelai das letzte Mal dieses Wort gelesen hatte, war sie 16 gewesen. Und nun, zwanzig Jahre später, fühlte es sich nicht mehr ganz so schlimm an, auf einen Streifen zu pinkeln und festzustellen, dass sie bald für zwei essen musste. Noch während sie im Bad stand und den Schwangerschaftstest anstarrte, griff sie zum Telefon. Reflexartig tippte sie Rorys Nummer ein, erstarrte aber nach der ersten Hälfte der Zahlen. Sie drückte auf den roten Hörer und tippte stattdessen Sookies Nummer komplett ein. „Sook? Ich bin schwanger!“, rief Lorelai, als Sookie abgenommen hatte. „Aaaahahaha!“, kam es vom anderen Ende der Leitung. Sookie war begeistert und freute sich für ihre Freundin. Nachdem Luke das Twickham-Haus gekauft hatte, vermutete Lorelai, dass Luke mit einem ähnlichen „Aaaahahaha!“ reagieren würde. Und Lorelai vermutete auch, dass Rory so reagieren würde. Nur verspürte sie nicht die Kraft, diese Vermutung zu bestätigen. „OK, Nachricht 30. Logan, ich habe keine Lust mehr!“, Rory schrie beinahe in ihr Handy. Es war ihr egal, wenn das Drecksding der Telekommunikation kaputt ging oder die Nachbarn sie hörten, sie konnte nicht mehr. Die Sonne strahlte grell auf sie herab, während sie im Garten ihrer Großeltern stand und Logan ihre Meinung aufs Band sprach: „Komm mir nicht mit Terminen. Du hast keine Termine, du Taugenichts! Und komm mir nicht mit Verpflichtungen, du hasst deine Familie! Und ich hasse deine Familie auch! Verdammt, Logan, es ist aus! Ich trete auf der Stelle. Ich muss etwas tun, aber ich kann es nicht, wenn ich dauernd an dich denken muss! Du hast mir zu oft wehgetan. Es tut mir leid, aber ich muss Schluss machen. Nicht nur mit diesem Telefonat mit deiner Mailbox. Sondern auch mit dir.“ Wütend legte sie auf. „Ich konnte nur den Schluss hören.“ Rory fuhr herum und entdeckte Clark, den Gärtner ihrer Großeltern, der sich angeschlichen hatte: „Warum hast du Schluss gemacht?“ Ohne zu antworten, küsste sie Clark überschwänglich. Wenn es schon hieß altes Leben, neues Leben, warum dann nicht alte Liebe, neue Liebe? Immerhin hatte Clark sie wach gerüttelt und sie wollte, dass er sie weiterhin wach rüttelte. Also küsste sie ihn weiter und fühlte sich großartig. Gegen Mitternacht fühlte sich die Dunkelhaarige nicht mehr ganz so großartig. Sie konnte nicht schlafen. Nichts half. Die Schafe zählen. Die Schlafposition wechseln. Die Götter beschwören, endlich schlafen zu dürfen. Rein gar nichts half. Also war Rory wieder aufgestanden. Ihr Haar war zerwühlt und ihr Schlafanzug war ein warmer Hauch auf ihrer ausgedörrten Haut. Sie schwitzte, als hätte sie einen Alptraum hinter sich, aber dieser Alptraum nannte sich nun mal Realität. Und Rory konnte nichts dagegen machen. Doch, etwas schon… Rory holte eine Schüssel aus dem Schrank der Küchenzeile. Alles im Poolhaus wirkte im Licht des Mondes beinahe bläulich. Selbst die Cornflakes, die sie in die Schüssel schüttelte, waren leicht bläulich. Milch und Marshmellows garnierten die Cornflakes und langsam löffelte Rory ihr Frühstück, mit dem sie ungefähr acht Stunden zu früh dran war. Etwas gab es zu tun, damit sie wieder schlafen konnte. Aber war sie bereit dazu? Lorelai hätte glücklich sein müssen. Einen tollen Verlobten, ein tolles Haus, eine tolle Schwangerschaft. Aber sie war es nicht. Natürlich, sie hatte ihr Glück mit genügend Leuten geteilt – Luke, Sookie, Michel, der sie daraufhin eine hormongestörte Yankee genannt hatte. Aber mit einer Person hatte sie die guten Neuigkeiten noch nicht geteilt und diese Person war eigentlich am Wichtigsten. Und eben das Fehlen dieser Person brachte Lorelai um den Schlaf. Es war kurz nach Mitternacht, als sie sich ein gesundes Müsli, bestehend aus Cornflakes, Marshmellows, Schokomilch und Reiswaffelstückchen, zubereitet hatte. Sie aß und kaute und fröstelte in ihrem knappen Nachthemd. Warme Luft kam durchs Fenster herein, vermochte sie aber nicht zu erwärmen. Erst als das Telefon klingelte, fühlte sie sich etwas besser. Denn wer sonst würde um zwölf Uhr nachts anrufen als… „Rory.“, meldete Lorelai sich. „Mom.“, kam es erstickt vom anderen Ende der Leitung. Lorelai schwieg und rührte in ihrer Schüssel. Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis Rory wieder zu ihr sprach: „Ich bin wieder in Yale. Und ich hab einen Ferienjob. Zwar nicht bei Huntzberger, aber beim Stars Hollow Banner. Das ist eine Nummer kleiner, aber ich schätze, dort werde ich mir am ehesten klarer darüber, ob ich das machen will. Und wenn ich zurück zu Huntzberger ginge, nur als Assistentin, wenn ich so wenig Rückrad hätte… Dann würde Logan mich abschrecken. Denn wir sind nicht mehr zusammen. Ich glaube, ich habe ihn gegen den Gärtner eingetauscht.“ Die Worte kamen langsam, aber bestimmt. Lorelai kannte ihre Tochter gut genug um zu wissen, dass sie die Worte nicht auf einem Blatt Papier vorformuliert hatte, sondern sie direkt aus ihrem Herzen aufsagte. „Das ist gut. Denn erstens war Logan ein Arsch und zweitens brauchst du einen anständigen Begleiter zu meiner Hochzeit. Ich hoffe, der Gärtner ist süß.“, erwiderte Lorelai frech, musste aber in Wirklichkeit die Tränen zurückhalten. Mit vor Freudentränen brennenden Augen fügte sie hinzu: „Und ich hoffe, dein in neun Monaten kommendes Geschwisterchen ist auch süß. Darum behalte ich auch das Hotel. Definitiv.“ „Alles Wichtige gesagt?“, kam es schüchtern von Rory. „Alles bis auf eines.“, entgegnete Lorelai. Gleichzeitig sagten die Gilmore Girls zu einander: „Du hast mir gefehlt.“ |